Loin de la France
Ein leises Piepen, „Was ist los, wo bin ich?“. Langsam komme ich zu mir und kann das Geschepper um mich herum zuordnen, ich liege in einem Schlafwagen. Ich bin der letzte im Abteil, ein wunder das mich die kleine Casio-Uhr wecken konnte. Ich packe ein Päckchen der SNCF und eine Flasche Wasser in meinen Rucksack, ziehe meine Stiefel an und springe aus dem Stockbett. Auch wenn ich wie tot schlief, fühle ich mich doch etwas mitgenommen.
Ich gehe aus meinem Abteil und versuche zu erkennen wo ich bin, aber der Zug fährt nur über Landschaften. Der kurz darauf folgenden Durchsage kann ich nur entnehmen, dass der Zug demnächst halten wird, Pau oder einen anderen Stadtnamen konnte ich nicht hören.
Vorsichtshalber gehe ich mit meinem Gepäck an eine Türe um zu schauen, was für eine Auskunft mir die Schilder auf dem Bahnhof geben können, zeitlich würde es passen.
Der Zug hält, ich bin nun tatsächlich in Pau angekommen. Ich folge erstmal dem Passantenstrom in Bahnhof um mich dort nach etwas Essbarem umzuschauen. Es ist kein Vergleich zu Paris, der kleine, alte Bahnhof ist sehr gepflegt und modern. Dennoch finde ich außer einem Schokoriegel- und einem Kaffeeautomaten nichts was nach Lebensmitteln aussieht. Also stelle ich mir ein kleines Frühstück zusammen, bestehend aus:
2 französischen Schokoriegeln, 1 Kaffee, 1 Zigarette. Das ist zwar keine kulinarische Raffinesse, im Endeffekt aber genau das was ich brauche um einen Tag starten zu können.
Draußen regnet es wie aus Strömen, so dass ich mir Pau nicht genauer anschauen möchte und zum Ticketschalter gehe, um die Busfahrt nach Oloron-Sainte-Marie zu buchen.
Die Ticketverkäuferin scheint mir wesentlich freundlicher als das Milchgesicht in Paris. Sie gibt mir das Ticket und erklärt mir in einem Englisch-/Französischmix, das ich nicht die Haltestelle vor dem Bahnhof nutzen kann sondern an eine weitere, entlang der Straße muss.
Ich habe noch genug Zeit, bis mein Bus kommt also schaue ich mich nach einer Gelegenheit um, um mir mal wieder die Zähne putzen zu können. Das Bedürfnis nach Körperhygiene ist aber schnell wieder verschwunden, die sanitären Anlagen sind nicht wirklich sauber und riechen entsprechend.
Der Regen hat inzwischen nachgelassen, ich begebe mich also auf die Suche nach der Bushaltestelle und folge blind der mehr oder minder verstandenen Wegbeschreibung. Nach einiger Zeit beginne ich aber zu zweifeln, so dass ich kehrt mache um noch einmal nach dem Weg zu fragen. In weiser Voraussicht, mache ich einen kleinen Stopp an der Bushaltestelle vor dem Bahnhof und kann auf einem Fahrplan etwas Wundersames entdecken „Oloron-Sainte-Marie“ steht dort geschrieben. Ich rauche meine letzte Zigarette und warte auf dem Bus. Ich ziehe Resümee aus meinem kurzem Frankreichaufenthalt und komme zu dem Entschluss, meine künftigen Reisen um Frankreich herum zu planen.
Die Busfahrt ist entspannt, der Fahrer hat mir erklärt, dass der Bus bis zum Somport-Pass fährt und ich nicht mehr umsteigen muss. Skeptisch schaue ich mir das Ticket an. Es ist aber alles korrekt, der Preis stimmt um Somport-Pass steht auch drauf. Da ich mir nun recht sicher bin, ausnahmsweise mal nicht verarscht zu werden kann ich den Ausblick auf die schöne Landschaft genießen.