Info zum Blog
Auch wenn die Einträge etwas älter datiert sind, sind diese aktuell, bzw. neu.
Ich bin gerade dabei meine Reise noch einmal für die Allgemeinheit aufzuführen und poste diese mit jeweils dem Originaldatum in welcher die Ereignisse auch stattgefunden haben.
Es werden etwa alle 2 – 3 Tage neue Beiträge hinzugefügt.
Viel Spaß!
Loin de la France
Ein leises Piepen, „Was ist los, wo bin ich?“. Langsam komme ich zu mir und kann das Geschepper um mich herum zuordnen, ich liege in einem Schlafwagen. Ich bin der letzte im Abteil, ein wunder das mich die kleine Casio-Uhr wecken konnte. Ich packe ein Päckchen der SNCF und eine Flasche Wasser in meinen Rucksack, ziehe meine Stiefel an und springe aus dem Stockbett. Auch wenn ich wie tot schlief, fühle ich mich doch etwas mitgenommen.
Ich gehe aus meinem Abteil und versuche zu erkennen wo ich bin, aber der Zug fährt nur über Landschaften. Der kurz darauf folgenden Durchsage kann ich nur entnehmen, dass der Zug demnächst halten wird, Pau oder einen anderen Stadtnamen konnte ich nicht hören.
Vorsichtshalber gehe ich mit meinem Gepäck an eine Türe um zu schauen, was für eine Auskunft mir die Schilder auf dem Bahnhof geben können, zeitlich würde es passen.
Der Zug hält, ich bin nun tatsächlich in Pau angekommen. Ich folge erstmal dem Passantenstrom in Bahnhof um mich dort nach etwas Essbarem umzuschauen. Es ist kein Vergleich zu Paris, der kleine, alte Bahnhof ist sehr gepflegt und modern. Dennoch finde ich außer einem Schokoriegel- und einem Kaffeeautomaten nichts was nach Lebensmitteln aussieht. Also stelle ich mir ein kleines Frühstück zusammen, bestehend aus:
2 französischen Schokoriegeln, 1 Kaffee, 1 Zigarette. Das ist zwar keine kulinarische Raffinesse, im Endeffekt aber genau das was ich brauche um einen Tag starten zu können.
Draußen regnet es wie aus Strömen, so dass ich mir Pau nicht genauer anschauen möchte und zum Ticketschalter gehe, um die Busfahrt nach Oloron-Sainte-Marie zu buchen.
Die Ticketverkäuferin scheint mir wesentlich freundlicher als das Milchgesicht in Paris. Sie gibt mir das Ticket und erklärt mir in einem Englisch-/Französischmix, das ich nicht die Haltestelle vor dem Bahnhof nutzen kann sondern an eine weitere, entlang der Straße muss.
Ich habe noch genug Zeit, bis mein Bus kommt also schaue ich mich nach einer Gelegenheit um, um mir mal wieder die Zähne putzen zu können. Das Bedürfnis nach Körperhygiene ist aber schnell wieder verschwunden, die sanitären Anlagen sind nicht wirklich sauber und riechen entsprechend.
Der Regen hat inzwischen nachgelassen, ich begebe mich also auf die Suche nach der Bushaltestelle und folge blind der mehr oder minder verstandenen Wegbeschreibung. Nach einiger Zeit beginne ich aber zu zweifeln, so dass ich kehrt mache um noch einmal nach dem Weg zu fragen. In weiser Voraussicht, mache ich einen kleinen Stopp an der Bushaltestelle vor dem Bahnhof und kann auf einem Fahrplan etwas Wundersames entdecken „Oloron-Sainte-Marie“ steht dort geschrieben. Ich rauche meine letzte Zigarette und warte auf dem Bus. Ich ziehe Resümee aus meinem kurzem Frankreichaufenthalt und komme zu dem Entschluss, meine künftigen Reisen um Frankreich herum zu planen.
Die Busfahrt ist entspannt, der Fahrer hat mir erklärt, dass der Bus bis zum Somport-Pass fährt und ich nicht mehr umsteigen muss. Skeptisch schaue ich mir das Ticket an. Es ist aber alles korrekt, der Preis stimmt um Somport-Pass steht auch drauf. Da ich mir nun recht sicher bin, ausnahmsweise mal nicht verarscht zu werden kann ich den Ausblick auf die schöne Landschaft genießen.
Paris’ Charme
Endlich raus aus dem engen TGV, ich springe heraus und stelle fest, dass dies der wohl krasseste Bahnhof ist, den ich kenne. Überall Polizisten mit Maschinengewehren und Hunden, so stelle ich mir den Bahnhof in Kandahar vor, aber nicht Paris Est.
Davon aber erst einmal unbeeindruckt, suche ich mir einen Weg ins Freie um mir eine Zigarette zu gönnen. Vor dem Bahnhof begrüßt mich auch schon der erste Einheimische mit einem netten „Give me a cigarette! – Please.“. Auch wenn ich sonst nicht den Zigarettenautomat für die schmarotzende Bevölkerung spiele, gebe ich ihm lieber mal eine Zigarette.
Es ist das typische Großstadtfeeling, nur heruntergekommener, als z.B. Hamburg oder Berlin. Überall sind Obdachlose und seltsame Gestalten, so das ich erst einmal wieder in den Bahnhof gehe um zu schauen wie ich am besten für meine Weiterfahrt zum Bahnhof Paris Austerlitz komme.
Leider sind alle Ticketautomaten nur französisch und bieten keine Möglichkeit auf eine andere Sprache umgestellt zu werden. Bei uns in Deutschland lässt sich in jedem Kuhdorf der Fahrscheinautomat auf alle möglichen Sprachen umstellen, in der Weltstadt Paris ist das leider nicht möglich.
Somit begebe ich mich auf die Suche nach einem Streckennetzplan. Der nächst beste Plan wird von solchen schwer bewaffneten Polizisten blockiert, welche mich zwar kurz mustern, aber keine Anstalten machen mich auf die Karte schauen zu lassen. Also muss ich warten, bis sie mich an die Tafel lassen. Jedoch sind auf der Karte nur ein paar Bildchen von Sehenswürdigkeiten und eine Menge französisches Blabla, mit dem ich nix anfangen kann.
Aber auch wenn ich kein Wort Französisch spreche, kann ich doch sehr gut Englisch und hilfsbereite Mitmenschen findet man ja schnell. Schnell werde ich etwas besserem belehrt, entweder können die Franzosen kein Englisch oder sie wollen es nicht verstehen. Eigentlich bin ich ja selbst schuld, ich hätte mich ja bereits im Vorfeld informieren können aber wer rechnet mit solchen Schwierigkeiten in einer Weltstadt?
Ein recht unkonventionell gekleideter Franzose, hilft mir aber doch weiter und erklärt mir, welche Metro ich nehmen kann.
Diese Information alleine bringt mich aber noch nicht nach Paris Austerlitz, ich benötige noch ein Ticket. Diese bekommt man am Ticketautomat oder am Schalter. Der Ticketautomat zeigt sich ein weiteres mal unkooperativ, also stelle ich mich in die Warteschlange und verjage einen Freak der versucht mir ein altes Ticket zuverschachern.
Endlich bin ich an der Reihe, ich sage dem Milchgesicht was ich haben möchte und er druckt mir das Ticket aus. Statt mir nun aber das Ticket zu geben, fuchtelt er damit wie wild vor meiner Nase herum. Ich habe Austerlitz nicht französisch genug betont und er scheint mir das Ticket erst geben zu wollen wenn ich es schön französisch ausspreche. „Wenn uns kein Panzerglas trennen würde, dann…“, aber statt den Gedanken zu Ende zu denken tue ich ihm den Gefallen und nehme endlich mein Ticket entgegen.
Die Metro in Paris kann man sich vorstellen wie die U-Bahn in einem schlechten 80er-Jahre Ghettofilm aus den USA, alles ist entweder beschmiert oder kaputt und die Stationen in welchen sie hält sehen nicht viel besser aus.
In Austerlitz angekommen, ergibt sich ein neues Problem, die Gleisangaben auf meinen Tickets der DB sind total falsch, die Gleise von welchen mein Zug abfahren soll, existieren gar nicht. Die Anzeigetafel zeigt auch nichts Verwertbares an, dieser kann ich lediglich entnehmen wann mein Zug abfährt. Wo ich aber hin soll, steht da nirgends, ich gehe aber davon aus, dass sich dies von selbst ergeben wird und erkunde etwas den Bahnhof. Mittlerweile ist es dunkel geworden, die Polizisten mit Maschinenpistolen werden durch andere Typen in schwarzen Kampfanzügen und durch Hunde verstärkt. Ich stelle also meinen Erkundungsgang ein und geselle mich zu den anderen Leuten, die planlos rum stehen und stehe mir auch die Beine in den Bauch.
The journey begins
Es ist früh am morgen, diese Nacht habe nicht geschlafen, ich wollte mir die Müdigkeit für die bevorstehende Zugfahrt sparen. Langsam trinke ich meinen Kaffee, denke noch einmal über meine Ausrüstung nach, „Habe ich auch nichts vergessen?“. Aber es passt alles, denke ich. Genau genommen weis ich eigentlich gar nicht worauf ich mich einlasse. Die iberische Halbinsel zu Fuß überqueren… Ich habe keinerlei Treckingerfahrung, ich weis gar nicht was ich an Ausrüstung überhaupt brauche. Aber das klappt schon irgendwie, learning by doing.
Das Lederbändchen welches ich von Tugba vor einigen Tagen bekam, binde ich mir nun um meinen Arm, sie hat es mir als Erinnerung an sich mitgegeben. Draußen wird es langsam hell, bald kommt mein Bus. Ich verabschiede mich für unbestimmte Zeit von meiner Familie, von meinen Freunden habe ich bereits gestern schon Abschied genommen.
Mit knapp 10,5kg Gepäck auf dem Rücken erreiche ich nach knapp einer Stunde den Stuttgarter Hauptbahnhof, von hier aus soll es weiter gehen. Der nächste ICE nach Paris fährt in weniger als einer Stunde, mehr als genug Zeit, die Streckenplanung habe ich bereits gemacht. Also gehe ich zum nächsten Schalter um mir ein Ticket zu holen, der Berater teilt mir aber mit, dass alle 2.Klasse Tickets nach Paris bereist verkauft sind und ich morgen wieder kommen soll. Ich gebe aber nicht klein bei, keine 2 Minuten später hat er eine andere Route gefunden in welcher noch Tickets verfügbar sind. Unpraktischer Weise fährt der Zug erst um 16:00Uhr.
Die nun folgenden Stunden verbringe ich überwiegend damit im Stadtpark zu schlafen und im Schatten zu faulenzen. Da ich weder mein Handy noch ein Buch dabei habe fällt die Wartezeit aber alles in allem recht langweilig aus. Ich gehe noch zu McDonalds um etwas in meinen Magen zu bekommen (hätte ich gewusst, dass ich erst in zwei Tagen wieder etwas Anständiges zwischen die Zähne bekomme, hätte ich wohl ein anderes „Restaurant“ gewählt).
Auf dem Weg zum Bahnhof schaue ich noch bei GaleriaKaufhof vorbei, vielleicht entdecke ich noch etwas Sinnvolles. Dort entdecke ich auch eine kleine Casio-Uhr mit Wecker. So etwas Stilloses kommt mir eigentlich nicht ins Haus, aber ich benötige etwas in der Richtung und 10€ sind ein wirklich fairer Preis.
Während ich durch die Stadt schlendere, bemerke ich das Gewicht von meinem Rucksack. Jedoch ist das noch nicht mein Reisegewicht, es fehlen noch die Vorräte, als auch 2,5l Wasser. Das es kein Spaziergang über die Berge wird, war mir klar. Jedoch könnte es härter werden als ich dachte.
Irgendwann ist aber auch 16:00Uhr und ich sitze im ICE nach Karlsruhe, ich muss zwar auf dem Boden sitzen, aber ich bin endlich auf dem Weg!
Aber da es selten so läuft wie geplant, stehe in Karlsruhe erstmal nur rum, fast jeder Zug ist ausgefallen und die Bahnmitarbeiter erklären die ganze Zeit, dass sie keine Ahnung haben wie es jetzt weiter geht. Mein ICE nach Paris, fällt auf jeden Fall flach, soviel steht schon mal fest. Nach 20 Minuten kommt glücklicherweise die Meldung, dass ein TGV unterwegs ist um uns alle aufzugabeln. Auch gut denke ich mir, TGV wollte ich schon immer mal fahren.
In den TGV einzusteigen ist aber ein Abenteuer für sich, alle Passagiere versuchen irgendwie gleichzeitig in den Zug zu kommen. Mir gelingt es innerhalb weniger Minuten im Zug zu sitzen während einige noch nicht einmal im Zug sind oder sich bei der Zugbegleiterin beschweren, dass nun ihre Sitzplatzreservierung ungültig ist und sie sich selbst einen Sitzplatz suchen müssen.![]()
Ich sitze nun neben einer älteren Dame, welche von dem ganzen Geschehen nichts mit bekommt oder nicht mitbekommen möchte, sie sitzt am Fenster und liest ein Buch. In der Hoffnung mir keine Geschichten alá „Das mit der Blasenschwäche ist so schlimm geworden seit das Haus nicht mehr mit Efeu bewachsen ist…“ anhören zu müssen, schreibe ich ein wenig in mein kleines Moleskinebuch und freue mich auf Paris. Da ich dort ein paar Stunden auf den nächsten Zug warten muss, kann ich mich dort noch etwas herumtreiben…
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